Die Geister, die ich rief – EU-DSGVO reloaded

Gestern war ich mal beim Arzt. Das ist durchaus selten, denn ich mag nicht krank sein. Aber gut, die Untersuchung war notwendig und im Endeffekt ohne Befund. Am Ende der Besprechung wurde ich gefragt, ob ich einen Ausdruck der Diagnose mitnehmen wollte. Ich -ganz neuzeitlich- meinte nur: „Können Sie mir das nicht per E-Mail schicken? Ich hätte das gerne digital“. Der Arzt war völlig entsetzt! Er hatte heute morgen eine Besprechung mit seinem Datenschutzbeauftragten, der ihm verschiedene „Spielregeln“ an die Hand gegeben hat. Eine davon war, dass man Patienten -aus Datenschutzgründen- ab sofort Befunde nur noch per Ausdruck in die Hand gibt. Wir kamen ins Gespräch, weil auch in unserer Apotheke die Frage im Raum steht wie wir in bestimmten Situationen mit den neuen Bestimmungen umgehen sollen.

Der Arzt erzählte mir, dass die umliegenden Kliniken gerne eine Voranmeldung der Patienten per Fax wünschen. Das hätte der Datenschutzbeauftragte aber abgelehnt, weil das Fax ja vielleicht an der falschen Stelle ankommen könnte (wenn der/die MFA sich vertippt). Die Lösung (festhalten!): ab sofort werden sämtliche Termin mit der Klinik telefonisch vereinbart, was zwar wesentlich mehr Zeit kostet, aber datenschutzkonform sein soll (ohne Gewähr!).

Auch wir machen uns Gedanken, ob wir Medikamente noch an den Lebensgefährten/(Ehe)partner oder das (gemeinsame) Kind abgeben dürfen und wie wir Lieferungen verpacken müssen, damit unser Bote keine Rückschlüsse auf das Medikament ziehen kann.

Was ich für mich feststelle: die DSGVO mag gut gemeint sein, sie ist aber so schlecht gemacht, dass kleine Unternehmen von der Arztpraxis über die Apotheke zum Handwerker oder sonstigem Selbstständigen hinten runter fällt. Die einzige Klientel, die einen Nutzen von dieser Verordnung hat, sind die Firmen, die einen Datenschutzbeauftragten stellen. Denn selbst wenn man weniger als 10 Personen hat, die mit dem Umgang von Daten beschäftigt sind, fühlt man sich dermaßen unsicher, dass man dann -wie mein Arzt und auch ich- einen externen Datenschutzbeauftragten bestellt, den man zu den jetzt aufkommenden Themen befragen kann.

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Veröffentlicht in datenschutz, Politischer Wahnsinn
3 comments on “Die Geister, die ich rief – EU-DSGVO reloaded
  1. Per eMail dürfte er das übermitteln, wenn die eMails denn VERSCHLÜSSELT werden. Und zwar nicht etwa DeMail-technisch transportverschlüsselt (wo alle „weiterreichenden Behörden“ die entschlüsseln, lesen, „durchsuchen“ – natürlich nur nach bösen Viren, Würmern und trojanern – um sie dann neu verschlüsselt weiterzusenden) – nein, ENDE-ZU-ENDE ist Maß der Dinge.

    Ich gebe offen zu, ich mit mittelmäßig technikaffin. Aber wie ich solch eine Verschlüsselung implementiere habe ich bis heute nicht kapiert. Und ich habe mich auch nie damit auseinandergesetzt, denn blöder Weise habe ich anderes zu tun…

    Ja, DSGVO macht Spaß…

    • Siehe http://www.gpg4win.de/ Einfacher können wir es alle nicht haben. Genutzt wird die Verschlüsselung ohne teure „Connectoren“ von ganz Wenigen. Ich habe mal bei unserem Verband angefragt, ob das nicht sinnvoll wäre und reines Unverständnis geerntet.

      • heutbösanonym sagt:

        Bitte NIE von Verbandsoberen technisches Verständnis erwarten – Praxisferne schließt auch dies mit ein, nicht nur Unverständnis von tägliche Abläufen n der Apo…
        Der Nutzen von Verbänden besteht in der Versorgung von Knallchargen.

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