Selters statt Sekt oder „Merry Christmas“, das Gutachten ist da

Entgegen meiner Prognose noch vor ein paar Tagen hat das BMWi das Gutachten zum Apothekenhonorar nun doch noch veröffentlicht. Interessant dabei ist, dass sich die Zahlen so gut wie nicht verändert haben. Wurde „uns“ in der Vorabversion ein Packungshonorar von 5,80 Euro zugestanden, sind es jetzt -ta ta ta taaa- 5,84 Euro. Statt einem 4,8%igen Aufschlag auf den Einkaufspreis werden nun 5% empfholen. Und auch im Notdienstbereich soll es ein paar Cent mehr geben.

Im Großen und Ganzen muss eine durchschnittliche Apotheke mit einem Umsatz von 2,2 Mio Euro Umsatz bei der neuen Version des Gutachtens nicht mehr auf 45.000 Euro sondern „nur noch“ auf 40.000 Euro verzichten. Gut, jeder weiß ja, dass Apotheken zu viel Geld verdienen. Im Schnitt erwirtschaftet der Inhaber einer Apotheke im Jahr 2016 ein Betriebsergebnis von 143.000 Euro. Klingt viel, ist es aber gar nicht. Denn von diesem Geld müssen zum einen die persönlichen Vorsorgeleistungen bestritten werden (knapp 20.000 Euro pro Jahr), man muss seine Kredite zurückbezahlen (gut, das ist individuell), Rücklagen für Investitionen bilden und natürlich auch noch Steuern zahlen. Und zwar nicht wie bei GmbHs 25% sondern persönliche Einkommenssteuer bis zum Höchststeuersatz. Dazu kommt natürlich noch die persönliche Haftung bis aufs letzte Hemd und die hohe Arbeitsbelastung (Urlaub und Krankheit ist immer schwierig).
Und jetzt kommt der Punkt: ca. 70% der Apotheke liegen unter diesen Durchschnittszahlen!

Schaut man sich als selbstständiger Apotheker an, was man als Angestellter verdient, liegt man laut Tariftabelle bei knapp 49.000 Euro bezogen auf 12 Monatsgehälter und kommt durchaus ins Grübeln, ob die 143.000 Euro das Risiko des Totalverlusts durch solche irrsinnigen Gutachten. Gehen wir weiterhin von einer übertariflichen Bezahlung aus, schrumpft das Delta zwischen Selbstständigen- und Angestellten-Dasein weiter.

Und was jetzt?

Ehrlich gesagt, keine Ahnung.

Ich mag meine Selbstständigkeit, auch wenn man den Nachteil mit Urlaub etc. hat. Ich möchte weiterhin frei entscheiden können, welche Dinge ich anschaffe und wofür ich mein Geld ausgebe. Das ist bei einer Angestelltentätigkeit deutlich schwieriger.

Jetzt gehen vermutlich die großen Diskussionen mit „hätte“, „könnte“ und „sollte“ los. Auf den diversen Branchenportalen gibt es schon „die üblichen Verdächtigen“, die gegen Politik und unsere eigenen Leute in Berlin vom Leder ziehen. Ich halte das für wenig zielführend.

Ich wünsche mir aber, dass unsere führenden Standespolitiker ein klares Statement in Richtung Politik abgeben, dass die Zahlen des jetzt veröffentlichen „Schlechtachtens“, nicht stimmen können. Und dass eine Änderung der derzeitigen Arzneimittelpreisverordnung eine echte Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten darstellt. Und wenn es wirklich gut läuft, liegt das Gegengutachten bei der ABDA schon in der Schublade. Daran glaube ich aber nicht wirklich, denn die alten Männer, die dort z.T. ehrenamtlich arbeiten, hatten sicherlich nicht den Weitblick ein Gegengutachten tatsächlich in Auftrag zu geben.

Was soll ich sagen, die Hoffnung stirbt zuletzt.

In diesem Sinne euch allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!

P.S.: Das Gutachten hat ca. 450.000 Euro gekostet. Die Gesamtkosten der deutschen Apotheken für die GKV betragen 5.040.000.000 Euro (nicht zu verwechseln mit den Arzneimittelkosten, die liegen bei 36.270.000.000 Euro), die Verwaltungskosten der Krankenkassen liegen bei ca. 11.158.770.000 Euro (4,9% von 222,7 Mrd. Euro) und die Ärzte (ohne Zahnärzte und Impfungen) erhalten ein Honorar von 36.530.000.000 Euro. Selbst die Fahrtkosten der GKV sind höher als die Kosten für alle deutschen Apotheken!

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Veröffentlicht in Politischer Wahnsinn

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