Rezeptur-Probleme

Dieser Tage war es mal wieder soweit und wir hatten eine absolute Kracher-Rezeptur: diverse Wirk- und Hilfsstoffe waren untereinander aufgeschrieben ohne, dass eine exakte Mengenangabe in Gramm, Milligramm oder Prozent angegeben war. Zusätzlich war einer der Hauptbestandteile nicht über den Großhandel lieferbar.

Zunächst machten wir uns die Mühe herauszufinden wie denn die Standardkonzentration des Wirkstoffes ist. Laut einer Quelle im Web betrug diese 0,075% der Gesamteinwaage. Leider hat das nicht zur verordneten Rezeptur gepasst, also haben wir Rücksprache mit der Arztpraxis gehalten. Diese verlief ungefähr so:

„Facharztpraxis Dr. Irgendwer, Guten Tag?“

„Hallo, hier ist die Apotheke aus dem Nachbarort, wir haben da ein Problem mit der Rezeptur, die Ihr Chef verordnet hat.“

„Was gibt es denn?“

„Nun, uns fehlen die kompletten Mengenangeben bei den Wirkstoffen. Was meint Ihr Arzt denn, wenn er „0,075“ schreibt? Gramm? Milligramm? Äpfel?“

„Rufen Sie doch mal die Apotheke unter uns an, wir verschreiben das oft und die wissen, wie man das herstellt“

„Nein, das wollen wir nicht. Sie müssen uns doch sagen können wie diese Tropfen hergestellt werden?!“

„Nein, da muss ich den Doktor fragen.“

Damit wurden wir dann auf einen Rückruf vertröstet. In der Zwischenzeit haben wir herausgefunden, dass einer der Hauptbestandteile nicht lieferbar ist. Das ist leider inzwischen ein häufiges Problem, dem man kaum nachkommen kann. Aber wir warteten erst mal die Rückmeldung von Herrn Doktor ab…

Die kam dann einen Tag später: „Das sollen alles Gramm sein!“ war die Antwort der MFA auf unsere Frage nach der Konzentration. Allerdings hatten wir in der Zwischenzeit ein wenig recherchiert und festgestellt, dass zu dem Wirkstoff, den der Arzt verwenden wollte, kaum Informationen gab. Eine Quelle meinte, dass man 0,075% des Wirkstoffes in eine Lösung einarbeiten sollte. Diese 0,075 standen zwar auf dem Rezept. Aber eben als Gramm und nicht als Prozent.

Wir wiesen darauf hin, dass die Konzentration des Wirkstoffes zu hoch sei und wurden abgekanzelt, dass das alles seine Richtigkeit hätte. Nun gut, dann stellen wir das so her. Nur: woher die Substanz nehmen, wenn nicht stehlen? Glücklicherweise half uns der Kollege aus dem Nachbarort, der seine Apotheke unter der Arztpraxis bertreibt, mit ein paar Milligramm Substanz aus. Und jetzt stellte sich das nächste Problem: der Arzt hatte ein Privatrezept ausgestellt, obwohl der Kunde von uns ein Kassenpatient war. Die recht hohen Kosten der Herstellung musste er also komplett selbst bezahlen. Deshalb riefen wir den Kunden an und holten uns das Einverständnis, dass er die Rezeptur privat bezahlt (knapp 30 Euro).

Bis heute ist uns aber nicht klar, ob der Arzt bzw. die MFA sich nicht vertan hat: der Kunde war bei der BARMER versichert, das Privat-Rezept war aber auf die BARMENIA ausgestellt.

Ja, das ist alles kein Kracher. Aber es ist der Einblick in das, was wir in den Apotheken tagtäglich tun: Probleme lösen und für unsere Patienten da sein!

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Veröffentlicht in Apothekenalltag

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