Wahlkampf bei Apothekers…

Es geht in die heiße Phase. Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren und alle Lobbygruppen versuchen ihre Abgeordneten zu beeinflussen. So auch die Apotheker und ihre Gegner.

Welche Partei ist überhaupt noch wählbar?

Diese Frage muss man sich nicht nur als Apotheker oder Mitarbeiter(in) in einer Apotheke stellen. Letzenendes werfen alle Kandidaten mit Worthülsen um sich, damit sie gewählt werden. Am Ende des Tages bzw. der Wahl beugen Sie sich dem sogenannten Fraktionszwang. Da fragt man sich doch, ob der freie Gewissensentscheid des Abgeordneten überhaupt noch etwas wert ist? Denn wer gegen seine Fraktion stimmt, wird ganz schnell abserviert. Das ist nicht anders als bei unseren sogenannten „Standesorganisationen“ wie Kammer und Verband. Wer da aufmuckt, kommt nicht weit.

Wahlradar Gesundheit

Ja es gibt auch eine Aktion der deutschen Apotheker zur Bundestagswahl 2017. Das „Wahlradar Gesundheit„. Hier wurden zahlreiche (alle?) Kandidaten für den Bundestag 2017 gefragt wie sie es mit der Apotheke halten. Leider sind -Stand heute am 31.08.2017- noch nicht allzu viele Ergebnisse online, was wohl auch daran liegt, dass die Agentur, die für die Kampagne zuständig ist, die Unterlagen viel zu spät an die Apotheker(innen) geschickt hat, die bei den Politikern nachfragen sollten. Ein Trauerspiel. Aber wir sind von der ABDA leider nichts anderes gewohnt.

Analyse

Egal, schauen wir uns die einzelnen relevanten Parteien -alphabetisch sortiert- mal an. Das Fazit gilt in meinen Augen nicht nur für Inhaber, sondern auch für deren Angestellte. Denn gerät die Apotheke durch politische Maßnahmen in Schieflage, trifft es natürlich zuerst die Angestellen!

AfD

Die AfD hat kein echtes Apothekenprogramm und ich nenne sie hier auch nur der Vollständigkeit halber. Denn leider sind Teile der AfD dermaßen „rechts“ ausgerichtet, dass man sie als Demokrat einfach nicht wählen KANN!

Fazit: unwählbar, weil zu weit rechts

CDU

Im Wahlprogramm der CDU steht immerhin das Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Allerdings scheint es immer mehr CDU-Kandidaten zu geben, die diese Forderung nicht unterstützen, zumindest wenn man den Beiträgen im Branchenportal apotheke-adhoc.de Glauben schenkt. Möglicherweise handelt es sich aber auch nur um eine Einzelmeinung, denn der CDU-Abgeordnete Hennrich fährt klare Kante für ein Versandverbot. Allerdings ist in meinen Augen fraglich, ob ein geändertes Apothekenhonorar wirklich hilfreich ist…

Fazit: nicht dolle, aber wählbar.

CSU

Die CSU unterstützt die Vor-Ort-Apotheken noch mehr als die CDU, weil sie die Problematik des Versandhandels klar erkennt: wenn die klassische Apotheke nicht mehr existiert, könnte es Versorgungsschwierigkeiten im ländlichen Raum -und davon hat Bayern ja durchaus viel- geben.

Fazit: auch nicht dolle (analog zur CDU), aber wählbar

FDP

Die FDP haben ihren Wirtschaftsliberalismus erkannt und hätten gerne Fremd- und Mehrbesitz. Die klassische Apotheke soll der Digitalisierung geopfert werden und man verfolgt Ziele, die zu jungen Menschen, die nicht krank und quasi permanent online sind, passen. Datenschutz? Von gestern! In der neuen Welt der „Liberalen“ gibt es das nicht mehr. Der gläserne Patient bei dem seine Versicherung genau weiß was er tut soll Realität werden.

Fazit: unwählbar

GRÜNE

Die GRÜNEN haben schon seit Jahren gute Verbindungen zum (ausländischen) Versandhandel im Apothekenbereich. Ob damals Biggi Bender, die für Celesio auf Tour ging und DocMorris massiv unterstützt hat oder heute Kordula Schulz-Asche, die sich weiterhin und gegen besseres Wissen für die Versandapotheken stark macht. Als Apotheker kann ich das nicht verstehen: da ist eine Partei, die sich das „Ökologische“ auf die Fahnen geschrieben hat und die kleinen und mittelständischen Betriebe unterstützen möchte. Und trotzdem unterstützt diese Partei Strukturen von großen Konzernen, die die kleinen Anbieter platt machen wollen. Das Ganze dann mit einer Logistik, die gegen jede grüne Überzeugung läuft (Förderung von Transportdienstleistern, mehr Verkehr auf den Straßen, ökologisch völlig unsinnig) und mit einer Massivität oder Borniertheit, die mich immer wieder zum Staunen bringt.

Fazit: unwählbar

LINKE

Die Linken entwicklen sich in den letzten Jahren zum Apothekenfreund. Und das trotz ihrer Historie (PDS, SED). Sie unterstützen die Apotheke vor Ort, sind gegen Fremd- und Mehrbesitz. Ob sie aber wirklich der Freund der Apotheker sind? Ich habe Zweifel. Trotzdem erscheinen sie -vor allem im Vergleich zur SPD- als echte Alternative.

Fazit: bedingt wählbar

SPD

Die „alte Tante SPD“ ist gegen ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Davon abgesehen ist sie für zahlreiche „Grausamkeiten“ der letzten Jahre im Apothekenbereich zuständig gewesen und allein deshalb nicht wählbar. Dazu kommt dann noch der unsägliche Professor Lauterbach, der mit seinen abstrusen Ideen auch die letzten Anhänger im Apothekenlager vergrault. Die „Spargelfahrten“ im letzten Jahr haben auch nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit beigetragen. Und die Worthülsen von St. Martin Schulz überzeugen im Apothekenbereich auch fast niemanden.

Fazit: unwählbar

Epilog

Sicherlich sieht der ein oder andere Leser diese Einschätzung ganz anders und ich würde mich über eine lebhafte Diskussion wirklich freuen. Aber: bitte immer oberhalb der Gürtellinie bleiben und möglichst die Aussagen mit Fakten belegen. Soviel „Wissenschaft“ sollte schon sein!

 

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Veröffentlicht in Allgemeines, Zukunft
2 comments on “Wahlkampf bei Apothekers…
  1. Und seit sie gewählt sind, hat man nix mehr von ihnen allen zusammen gehört. Na warten wir mal ab, was alles auf dem Altar der Koalitonsverhandlungen geopfert wird….

  2. Und was hat der Wahlkampf genützt?

    – Gröhe verliert höchstwahrscheinlich den Gesundheitsministerposten. Womit der letzte hochrangine Politiker, der ein Rx-Versandverbot befürwortet, ausgetauscht werden dürfte.
    – Das Gutachten von 2hm scheint für die Abschaffung ca. 75% aller deutschen Apotheken konstruiert: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/apothekenhonorar-zwei-milliarden-euro-zu-viel-bmwi-2hm-gutachten/ Würde mich doch sehr wundern, wenn da die Politik im Schulterschluss mit den Kassen nicht was draus zu konstruieren weiß…

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