Wenn Arztpraxen gegen Apotheker arbeiten…

Das Telefon klingelt. Ein Kunde möchte ein Medikament vorbestellen. Wie üblich Frage ich die notwendigen Infos ab:

  • was ist verordnet (Wirkstoff, Stärke, Hersteller, Menge)?
  • welche Krankenkasse bezahlt?
  • ist das „aut idem„-Feld angekreuzt?

Wie so oft gibt es Probleme beim Beschreiben wo und was das „aut idem“-Feld ist. Ich erkläre dem Patienten was es damit auf sich hat und füge gleich hinzu, dass ich bei seiner Krankenkasse das vom Arzt verordnete Medikament gegen ein wirkstoffgleiches von einer anderen Firma (und einer anderen Packungsgröße, juhu, noch mehr Diskussion) austauschen muss.

„Warum das denn?“ fragt der Kunde.
„Weil Ihre Krankenkasse einen Vertrag mit einer anderen Firma abgeschlossen hat bei der sie weniger bezahlen muss.“ antworte ich.
Es kommt wie es kommen musste, der Kunde will das Austauschprodukt nicht. Ich erkläre ihm, dass der Arzt dann das „aut idem“-Feld ankreuzen muss. Der Kunde ist natürlich nicht begeistert und ich weiche auf die Alternative „Pharmazeutische Bedenken“ aus um ihm den erneuten Besuch des Arztes zu ersparen.
„Naja, vielleicht fahre ich doch noch bei meinem Arzt vorbei. Bis nachher.“ endet das Gespräch.

Ein paar Stunden später steht der Kunde bei uns in der Apotheke und ist sichtlich sauer. Das mit dem „aut idem“-Kreuz sei ja wohl das Letzte, meint er. Auch sein Arzt (vermutlich eher die Sprechstundenhilfe) hat gemeint, dass er so eine Korinthenkackerei bei den umliegenden Apotheken (in der Stadt) noch nie erlebt hätte. Wo sie denn das Rezept einlösen wolle?
„Na bei mir zu Hause im Ort!“
„Der Apotheker, den Sie da haben ist aber sehr umständlich. Die bei uns um die Ecke geben Ihnen das, was Sie von mir verordnet bekommen“

Aha. Sollten die Kollegen in der Stadt etwa etwas anderes abgeben als nach Rabattvertrag der Krankenkasse zulässig ist? Dann wünsche ich Ihnen, dass sie das auch bei Metoprolol Beta bei AOK-Versicherten gemacht haben und richtig eins drauf bekommen.

Und dem Herrn Doktor (bzw. seinen Sprechstundenhilfen) wünsche ich auch gleich die Pest an den Hals, dass er mir das Leben noch schwerer macht, weil er keine Ahnung von den blöden Rabattverträgen hat und meine Glaubwürdigkeit massiv untergräbt.

Grummel!

Aber das bin ich ja schon fast gewohnt. Vor Kurzem habe ich einem Patienten eine Auskunft darüber gegeben, ob sein Hilfsmittel von der Krankenkasse erstattet wird oder nicht. Mit dieser Info ist er dann in die Praxis gegangen und da meinte die Sprechstundenhilfe nur:
„Was? Der Landapotheker? Der hat doch keine Ahnung!“
Aha. Wer ruft immer bei uns an ob dieses oder jenes von der GKV bezahlt wird? Genau: diese „freundliche“ medizinische Fachangestellte.

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Veröffentlicht in Apothekenalltag
2 comments on “Wenn Arztpraxen gegen Apotheker arbeiten…
  1. stefan sagt:

    Oh ja, sowas kann einem gründlich die Stimmung vermiesen… Zum Glück sind „unsere“ Ärzte hier aufgeschlossen / entgegenkommender (die meisten) – oder haben sogar einen Patienten-Schrfitstück bei uns hinterlegt, in dem sie erklären, warum sie Aut-Idem nicht setzen. Das entschäft dann meist zumindest die verständnislosen Kundengespräche etwas…

  2. Anni sagt:

    Das ist doch noch gar nichts.
    Bei uns gibt es eine Praxis, die den Patienten einredet das WIR IN DER APOTHEKE das „aut idem Feld“ ankreuzen …..arggg ….

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