Neusprachliche Berichterstattung

Ich mag es nicht, wenn Dinge in einem positiven Licht erscheinen, die eigentlich negativ sind. Im Fachchargon ist von „Neusprech“ die Rede und es gibt dafür sogar eine extra Webseite.

Das Handelsblatt berichtet über die Rabattverträge der AOK für 2012, die demnächst verhandelt werden. Unter anderem heißt es in dem Artikel:

Die Apotheker dürfen Versicherten auf Rezept dann nur Medikamente der Firmen aushändigen, mit denen ihre Kasse Rabattverträge abgeschlossen hat.

Meiner Meinung nach ist ein „dürfen … nur“ viel zu positiv besetzt. Korrekt heißt es „Die Apotheker müssen Versicherten auf Rezept dann Medikamente der Firmen aushändigen…“. Wenn wir das nämlich nicht tun, bezahlen uns die Krankenkassen gar nichts! Und das, obwohl es doch eigentlich nur um die Differenz zwischen dem Rabatt- und dem Listenpreis geht. Dieser rabattierte Preis dürfte zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Republik zählen, den nur einige wenige Menschen kennen. Während bei den Leistungserbringern gerne Transparenz gefordert (und das dann auch umgesetzt) wird, dürfen die Kassen weiter verheimlichen welche konkreten Preise sie für ein Medikament bezahlen.

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Veröffentlicht in Allgemeines
One comment on “Neusprachliche Berichterstattung
  1. svuechiatrie sagt:

    Faszinierend… das heißt „Neusprech“? Erinnert mich mal ganz stark an „1984“ von George Orwell… aber da denk ich besser gar nicht weiter drüber nach…

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