Da da da

Da war er. Der Kunde, der seine Frau verloren hatte. Sie hat alles für ihn gemanagt, weil er ein Pflegefall war. Wir wussten Bescheid, denn die Frau hat für die Medikamente des Mannes immer aufgezahlt.

Jetzt ist sie gestorben und er muss sehen wie er alleine zurechtkommt. Die ersten Wochen liefen erstaunlich gut, heute gab es zum ersten Mal Probleme:

Der Kunde reicht mir die Rezepte und ich gebe die Daten in die EDV ein. Der Doktor hat -wie bereits zu Lebzeiten der Frau- vor jedes Medikament ein „aut idem“ Kreuz gesetzt. Da einige der verordneten Medikamente aufzahlungspflichtig sind, weil der Preis über dem Festbetrag liegt, läuft eine Summe von etwas über 50 Euro auf. Ich erkläre dem Patienten, dass er das zahlen muss und er versteht es -wie erwartet- nicht. „Da – da – da“ ist alles, was er seit einem Schlaganfall sagen kann. Er zeigt auf die Medikamente und kramt seinen Befreiungsausweis aus dem Geldbeutel. „Da – da- da“ ertönt wieder.

Landapotheker: „Ich weiß, dass Sie befreit sind, Herr Kunde, aber sie müssen das trotzdem bezahlen, weil die Krankenkasse die Medikamente nicht komplett bezahlt.“
Kunde (schüttelt mit dem Kopf): „Da – da – da“

Ich erkläre es nochmal, er versteht es nicht und verlässt die Apotheke.

Am nächsten Tag kommt die Tochter mit und ich erkläre das Problem. Die Tochter erklärt es unserem Patienten, der versteht es aber genauso wenig wie bei mir. Ich handele mit der Tochter aus, dass wir -entgegen dem Wunsch des Vaters- die „aut idem“-Kreuze ignorieren, damit wir von den 50 Euro wegkommen und zunächst scheint der Vater auch einverstanden zu sein. Da wir mit der Praxis gut zusammenarbeiten, sichere ich zu, dass wir uns um die Änderung der Rezepte kümmern, alles scheint gut.

Nach 5 Minuten steht der Kunde wieder bei mir, wedelt mit den ausgetauschten Packungen und es kommt wieder nur „Da – da – da“. Die Tochter kommt ein paar Sekunden später und nimmt nun doch alles wie es ursprünglich verordnet war, weil derVater sich im Auto so aufgeregt hat, dass Sie keine andere Lösung sieht als die Aufzahlung in Kauf zu nehmen.

Mein Kollege meint nur zu mir „Das sollte man mal dem Herrn Rösler zeigen, damit er versteht was hier für ein Mist mit den Rabattverträgen abläuft“.

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Veröffentlicht in Apothekenalltag
One comment on “Da da da
  1. sharmaynn sagt:

    Als ich das erste Mal etwas über die Rabattverträge gehört habe, habe ich mir schon fast gedacht das es solche Fälle geben wird. Es ist eine Schande das man es den alten und oft kranken Menschen noch schwerer machen muß indem sie sich unter Umständen immer wieder an neue Medikamente gewöhnen müssen.
    Der Herr hier kann von Glück sagen, das er noch seine Tochter hat.

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