Zur FDP-Klientelpolitik

Wolfgang Lieb von den NachDenkSeiten, die ich wirklich gerne lese um mich ab der Mainstream-Medien zu informieren, hat einen Artikel zum geplanten Abgang von Guido Westerwelle geschrieben. Ein paar Zeilen widmen sich auch der Pharmaindustrie respektive der Apothekerschaft:

Er hat die Apothekerlobby davon „befreit“, dass sie künftig rabattierte Arzneimittel anbieten müssen, sondern weiter die für sie profitableren Markenprodukte verkaufen können.

Lieber Herr Lieb, das kann ich so nicht stehen lassen. Denn von „Befreiung“ ist bei uns Apothekern nichts zu spüren. Statt wie die Ärzte ein höheres Honorar zu erhalten, wurden bei uns mit einem Federstrich über Nacht 200 Millionen Euro eingespart. Rechnet man noch die Einsparungen beim Großhandel dazu, die von diesem an die Apotheke weitergegeben werden, sind wir bei 400 Mio. Euro, die über die Apotheken eingespart werden.

Sollten Sie mit dem Befreiungsschlag für die Apothekerschaft die sogenannte „Mehrkostenregelung“ meinen, dann sprechen Sie doch mal mit ein paar Kollegen von mir, wie oft diese Regelung genutzt wird und wie unbeliebt sie unter den Apothekern ist.

Und für diejenigen, die das Wort „Mehrkostenregelung“ nicht kennen: seit dem 1. Januar ist es dem Patienten möglich, dass er sein „Wunschmedikament“ erhält, obwohl ein Arzneimittel nach Rabattvertrag abgegeben werden müsste. Wenn der Patient das möchte, muss er zunächst den vollen Preis für das Medikament bezahlen und kann sich dann einen Teil der Kosten von der Krankenkasse wieder zurückerstatten lassen. Da dieses Prozedere aber sehr unhandlich ist, wird es von mir und auch von zahlreichen Kollegen nicht großartig angepriesen. Ausnahmen bestätigen sicher die Regel, dennoch verdienen wir durch diese Regelung nicht übermäßig mehr was ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte:

Der cholesterinsenkende Wirkstoff Simvastatin kostet im Original als „Zocor“ 19,27 Euro für 50 Stück. Wenn das Produkt zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse von uns abgeben wird, ist die Kalkulation wie folgt:

Der Einkaufspreis ohne Mehrwertsteuer(Netto-EK) beträgt 7,85 Euro

  • plus 3% vom Netto-EK: 0,2355 Euro macht 8,0855 Euro
  • plus 8,10 Euro  Apothekenhonorar (Lagerhaltung, Beratung etc.) sind dann 16,1855
  • plus Mehrwertsteuer (19%) macht zusammen 19,27 Euro

Da die gesetzlichen Krankenkassen per Gesetz noch 2,05 Euro Rabatt von der Apotheke erhalten, verdient die Apotheke pro Packung 5,32 Euro (netto, also ohne Mehrwertsteuer). Die gleiche Kalkulation für ein generisches Simvastatin (z.B. Simvabasics) ergibt 5,12 Euro Verdienst bei einem Netto-EK von 1,13 Euro.

Und jetzt mal ehrlich: wegen 20 Cent fange ich nicht an den Patienten auf ein Original umzustellen.

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2 comments on “Zur FDP-Klientelpolitik
  1. squirrel1976 sagt:

    „Und jetzt mal ehrlich: wegen 20 Cent fange ich nicht an den Patienten auf ein Original umzustellen.“

    Kleinvieh macht doch auch Mist 😀
    Aber im Ernst, ich finde diese Regelung auch nicht sonderlich praktisch und vor allem sehr undurchsichtig, weil bisher nirgends klar erkennbar ist, wie groß dieser Teil ist, den die Krankenkassen erstatten. Und den Ärger über (sehr wahrscheinlich) sehr niedrige Erstattungen wird dann (auch sehr wahrscheinlich) in der Apotheke abgeladen werden, weil dem Kunden dort zu dieser Lösung geraten wurde.
    Know, what I mean?

  2. […] Und lohnt es sich für die Apotheke? Einen informativen Beitrag dazu findet sich dazu im Blog des “Landapothekers“. […]

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