Neulich im Notdienst

Notdienst. Am Wochenende. Das ist undankbar, aber für die Versorgung der Bevölkerung notwendig.

Gegen 14:00 Uhr geht die Dienstglocke, ich laufe zur Tür und öffne die Notdienstklappe. Direkt vor der Tür steht ein Taxi, ein älterer Mann sitzt drin. Der Taxifahrer ist ausgestiegen und hält mir ein Salbutamol-Spray unter die Nase.

Taxifahrer: „Können Sie mir das verkaufen? Mein Fahrgast hat Atemnot und braucht das.“

Da Salbutamol verschreibungspflichtig ist, muss ich seine Bitte ablehnen.

Landapotheker: „Es tut mir leid, aber das Spray ist verschreibungspflichtig. Da brauche ich ein Rezept.“

Taxifahrer: „Können Sie nicht eine Ausnahme machen? Meinem Fahrgast geht es wirklich schlecht.“

Ich lehne ab und verweise darauf, dass er doch bitte zum ärztlichen Notfalldienst fährt und sein Patient sich dort ein Rezept ausstellen lässt. Der Fahrgast bemerkt, dass ich keine Anstalten mache von der Tür zu gehen und sein Medikamt zu holen, öffnet die Tür und schreit aus dem Auto, dass er das Spray unbedingt bräuchte, weil er an Atemnot leide und fast keine Luft bekäme. Ich erkläre nochmal, dass ich hier keine Ausnahme machen kann, woraufhin der angeblich so kranke und kaum Luft bekommende Patient mich weiter aus dem Auto anbrüllt (Entfernung zur Tür ca. 1,50 m).

Patient (brüllend): „Ich bekomme kaum Luft, Sie müssen mir dieses Spray geben, das ist ein Notfall.“

Landapotheker: „Es tut mir leid, das geht nicht. Aber wenn Sie schon im Taxi sitzen, lassen Sie sich doch zum Notarzt fahren, der kann Ihnen ein Rezept ausstellen“

Patient (brüllend): „Da muss ich ja viel zu lange warten, ich brauche das Mittel jetzt!“

Landapotheker: „Nein!“

Patient (brüllend): „Arschloch!“

Abgang Patient und Taxi.

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Veröffentlicht in Apothekenalltag, Notdienst
2 comments on “Neulich im Notdienst
  1. Pharmama sagt:

    Er hört sich nicht *wirklich* so an, als bekäme er nicht genug Luft …

  2. Hmm,

    alternativ hätte man dem guten Mann auch anbieten (drohen?) können, direkt die 112 zu wählen, wenn es denn schon so dringend ist.

    Oder direkt das Laryngoskop zücken und eine „Notfall“-Intubation anbieten, harhar…

    Gruß

    Jürgen Osterberg

    P.S.: Prima Blog übrigens. Falls beim nächsten Notdienst mal Zeit bleibt und alle im Taxi sitzenden Rentner versorgt sind :-), vielleicht mal auf planetapo.de vorbeischauen?
    Wir freuen uns riesig auf Feedback und Kommentare aus der Apotheker-Blogosphäre.

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