Rabatte zu erhalten ist nicht gewollt, nur geben müssen wir sie

Seit Anfang des Jahres geht es in den Apotheken um das AMNOG, das ArzneiMittelNeuOrdnungsGesetz. Dieses Gesetz war nötig, weil die kranken Kassen mal wieder zu wenig Geld haben um alle Leistungen, die sie erbringen, zu bezahlen. Und wie das bei solchen Gesetzen so ist, man spart da, wo am wenigsten Widerstand zu erwarten ist: bei Apothekern und Großhandel.

Während Kollege Landarzt von der Honorarerhöhung profitiert (200 Mio Euro für die Ärzte, wärehnd die Apotheke und der Großhandel je 200 Mio „sparen“ sollen), „darf“ unsereins mehr Rabatt an die Krankenkassen bezahlen. Und nicht nur das, auch der Großhandel wurde zum Sparen verpflichtet und muss 0,85% des Einkaufspreises an die Krankenkassen durchreichen. Und damit der arme Großhandel nicht notleidet, reicht er diesen Zwangsrabatt als Konditionskürzung an die Apotheken weiter. Noch ist es nämlich so, dass wir Apotheker vom Großhandel einen -wenn auch kleinen- Rabatt erhalten, wenn wir ihm versprechen Bestellungen in Höhe eines bestimmten Umsatzes bei ihm zu tätigen. Wenn ich sage klein, dann meine ich auch klein, der Rabatt liegt nämlich zwischen 0,5% im schlechtesten und 6% im besten Fall. Das heißt: mache ich einen kleinen Umsatz, erhalte ich einen kleinen Rabatt, als Großkunde erhalte ich mehr Rabatt.

Diese Rabattgestaltung, die im verschreibungspflichtigen Bereich wie gesagt zwischen 0,5%-6% liegt, folgt also den üblichen Regeln der Marktwirtschaft. Und genau so werden Rabattkürzungen natürlich auch an die Apotheken durchgereicht, auch wenn die Politik das angeblich nicht wollte. Das hat natürlich zur Folge, dass bei den Apothekern gejammert wird. Dieses Jammern hat nun die Politik erhört und schlägt gleich einen ganz neuen Weg vor: wir schaffen die Rabatte der Großhändler an die Apotheken gleich ganz ab, dann jammert da auch keiner mehr. Denn, so der Herr Staatssekretär im Gesundheitswesen, EgonDaniel Bahr „Apotheken erhalten eine eigene, leistungsgerechte Vergütung“.

Lieber Herr Bahr,

ich lege Ihnen gerne mal meine Zahlen offen und dann werden Sie sehen, dass unsere „leistungsgerechte“ Vergütung

  1. seit 2004 auf € 8,10 (plus 3% auf den Netto-Einkaufspreis) quasi eingefroren und von der Inflation abgekoppelt wurde
  2. der Zwangsrabatt, den die Apotheke den Krankenkassen per Gesetz gewähren muss, bei einer Schieflage der Krankenkassen jederzeit erhöht werden kann (wodurch die Vergütung logischerweise sinkt)
  3. gerade mal die fixen Betriebsausgaben deckt, ohne dass der Apothekeninhaber ein Gehalt erhält

Natürlich leben wir Apotheker noch nicht von der GKV alleine, aber wenn den Ärzten zugestanden wird, dass sie durch die gesetzlich Krankenversicherten ein Einkommen von 100.000 Euro erzielen dürfen, dann möchte ich als „kleiner Apotheker“ zumindest 50.000 Euro garantiert haben. Dann kann ich zumindest mal meine Altersversorgung (ca. 1.090 Euro/Monat) und die Krankenversicherung (ca. 500 Euro/Monat) bezahlen.

Lieber Herr Bahr, und liebe Damen und Herren der Parteien (übrigens egal welcher): ich bin dafür die Apotheken komplett zu verstaatlichen, denn dann kann sicher noch mehr Geld gespart werden:

  • eingeschränkte Öffnungszeiten wie bei Behörden üblich (8:00-12:00 und 14:00-16:00 Uhr, Freitag Mittag und Samstag frei)
  • dadurch werden weniger Arzneimittel abgegeben, denn wenn eine Apotheke geschlossen ist, kann sie keine Kosten verursachen
  • der Warenkreislauf kann staatlich gesteuert werden, so dass hier enorme Einsparungen möglich sind
  • das Apothekenpersonal kann auf 1-2 Personen (Apotheker?) reduziert werden
  • Notdienste werden zentralisiert und nur noch in größeren Städten durchgeführt. Der gemeine Landbewohner ist ja mobil und nimmt die Fahrtzeit von über 30 Minuten sicher gerne in Kauf.

Sie sehen, es gibt Möglichkeiten im Apothekenbereich zu sparen, ohne dass der Bürger schlechter versorgt wird. Ich freue mich auf die Umsetzung meiner Vorschläge!

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