Wenn Kliniken Unsinn machen und Ärzte das übernehmen

Ein älteres Ehepaar kommt heute zu uns. Er war gerade in der Klinik und kommt mit seinem neuen Medikationsplan nicht zurecht. Also wird dieser von uns überprüft. Dabei passiert Folgendes:

  • seine Blutdruckmedikation wurde komplett umgestellt. Gut, dass kann in der Klinik schon mal vorkommen und macht es nur dann schwer, wenn die Klinik Originale verwendet, während der Hausarzt Generika verordnet. Das ist quasi immer der Fall, weil die “forschende” Pharmaindustrie die Kliniken mit Billigware versorgt, so dass generische Anbieter keine Chance haben (das sagen mir zumindest die Kollegen aus dem Krankenhaus). Also klären wir beide auf, dass die Medikamente in der Klinik zwar anders benannt sind, der Hausarzt aber das Gleiche aufgeschrieben hat – nur eben generisch.
  • der Hausarzt verordnet auf Grund des Entlassbriefes der Klink Exemestan (Aromasin(R)). Das ist ein Mittel gegen Brustkrebs, was bei Männern nicht verwendet wird. Unsere PTA wird stutzig und bespricht sich mit der Kollegin, ich war gerade dienstlich unterwegs, meine Vertretung wurde leider nicht gefragt.
  • Nach der Überprüfung bei uns wird nochmal der Hausarzt konsultiert, damit ein aktueller Einahmeplan erstellt wird. Die Sprechstundenhilfe -eine andere als gestern- stutzt bei der Aromasin-Verordnung und ruft bei uns an. Heute bin ich da und wundere mich ebenfalls über die Verordnung.
  • Ein Anruf in der Klinik bringt zu Tage, dass das Aromasin nur verordnet wurde, weil der Patient das Mittel schon vor der Einweisung ins Krankenhaus verwendet hat. Warum, wieso und weshalb war der Klinik wohl egal, sie haben es ihm weitergegeben und auch in den Entlassbrief geschrieben.
  • Der Hausarzt fragt nun bei uns an, ob wir das Medikament zurücknehmen können, das geht aber auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen nicht und so wurden gerade mal eben knapp 700,- Euro vernichtet, die der GKV fehlen, weil die Klinkärzte nicht nachgedacht haben.

Das ist wirklich so passiert. Und wer sich wundert, warum die Kosten für Arzneimittel ständig steigen, dem sei gesagt, dass das nicht nur an neuen Medikamenten liegt, sondern eben auch an mangelnder Zusammenarbeit zwischen dem stationären (Klinik) und ambulanten (Hausarzt) Bereich. Würde einer von beiden “seinen” Apotheker fragen, könnten sicher einige Kosten eingespart werden. Aber Nachfragen kommt für einen Halbgott in weiß natürlich nicht in Frage. Denn er weiß ja genau was er tut…

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Wenn Arztpraxen gegen Apotheker arbeiten…

Das Telefon klingelt. Ein Kunde möchte ein Medikament vorbestellen. Wie üblich Frage ich die notwendigen Infos ab:

  • was ist verordnet (Wirkstoff, Stärke, Hersteller, Menge)?
  • welche Krankenkasse bezahlt?
  • ist das “aut idem“-Feld angekreuzt?

Wie so oft gibt es Probleme beim Beschreiben wo und was das “aut idem”-Feld ist. Ich erkläre dem Patienten was es damit auf sich hat und füge gleich hinzu, dass ich bei seiner Krankenkasse das vom Arzt verordnete Medikament gegen ein wirkstoffgleiches von einer anderen Firma (und einer anderen Packungsgröße, juhu, noch mehr Diskussion) austauschen muss.

“Warum das denn?” fragt der Kunde.
“Weil Ihre Krankenkasse einen Vertrag mit einer anderen Firma abgeschlossen hat bei der sie weniger bezahlen muss.” antworte ich.
Es kommt wie es kommen musste, der Kunde will das Austauschprodukt nicht. Ich erkläre ihm, dass der Arzt dann das “aut idem”-Feld ankreuzen muss. Der Kunde ist natürlich nicht begeistert und ich weiche auf die Alternative “Pharmazeutische Bedenken” aus um ihm den erneuten Besuch des Arztes zu ersparen.
“Naja, vielleicht fahre ich doch noch bei meinem Arzt vorbei. Bis nachher.” endet das Gespräch.

Ein paar Stunden später steht der Kunde bei uns in der Apotheke und ist sichtlich sauer. Das mit dem “aut idem”-Kreuz sei ja wohl das Letzte, meint er. Auch sein Arzt (vermutlich eher die Sprechstundenhilfe) hat gemeint, dass er so eine Korinthenkackerei bei den umliegenden Apotheken (in der Stadt) noch nie erlebt hätte. Wo sie denn das Rezept einlösen wolle?
“Na bei mir zu Hause im Ort!”
“Der Apotheker, den Sie da haben ist aber sehr umständlich. Die bei uns um die Ecke geben Ihnen das, was Sie von mir verordnet bekommen”

Aha. Sollten die Kollegen in der Stadt etwa etwas anderes abgeben als nach Rabattvertrag der Krankenkasse zulässig ist? Dann wünsche ich Ihnen, dass sie das auch bei Metoprolol Beta bei AOK-Versicherten gemacht haben und richtig eins drauf bekommen.

Und dem Herrn Doktor (bzw. seinen Sprechstundenhilfen) wünsche ich auch gleich die Pest an den Hals, dass er mir das Leben noch schwerer macht, weil er keine Ahnung von den blöden Rabattverträgen hat und meine Glaubwürdigkeit massiv untergräbt.

Grummel!

Aber das bin ich ja schon fast gewohnt. Vor Kurzem habe ich einem Patienten eine Auskunft darüber gegeben, ob sein Hilfsmittel von der Krankenkasse erstattet wird oder nicht. Mit dieser Info ist er dann in die Praxis gegangen und da meinte die Sprechstundenhilfe nur:
“Was? Der Landapotheker? Der hat doch keine Ahnung!”
Aha. Wer ruft immer bei uns an ob dieses oder jenes von der GKV bezahlt wird? Genau: diese “freundliche” medizinische Fachangestellte.

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Unsere Freunde von der AOK und der Staatsanwaltschaft

Problematik der Rabattverträge

Es rauscht im deutschen Apotheker-Blätterwald (und inzwischen auch in den allgemeinen Nachrichtentickern): die AOK hat über die Firma Betapharm hat festgestellt, dass allein im Juni 30.000 Packungen Metoprololsuccinat aus dem Hause Betapharm von den Apotheken abgerechnet, aber gar nicht bezogen wurden. Und weil hier ein Betrug seitens der Apotheker vorliegt, hat sie die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Hintergrund sind die neu ausgeschriebenen AOK-Rabattverträge, die seit dem 01. Juni 2011 gelten. Wenn eine Verordnung über Metoprolol vorliegt, darf man als Apotheke nur Metoprololsuccinat der Firma Betapharm abgeben. Einziger Wermutstropfen: das Produkt ist überhaupt nicht lieferbar. Schlimmer noch, es war auch nie lieferbar! Betapharm begründet das damit, dass die Zeitspanne der Zuschlagserteilung Mitte Mai bis zum Start der Verträge am 1. Juni zu kurz war um ausreichende Mengen zu produzieren. Das mag ja sein, aber warum wird ein solcher Vertrag dann überhaupt “scharf” geschaltet? Inzwischen haben wir fast Ende August und es gibt die rabattierte Ware, auf die die AOK so scharf war, immer noch nicht. Vertragsstrafen bei Nichtlieferung? Fehlanzeige! Stattdessen werden jetzt die Apotheken beschuldigt nicht korrekt zu arbeiten.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen, ca. 12.000 (von ca. 21.000) Apotheken haben allein im Juni 30.000 nicht-existente Packungen Metoprolol Beta abgegeben. Das fällt deshalb auf, weil die Apotheker für den Rabatt, den die Hersteller den Krankenkassen gewähren müssen, das Inkasso betreiben. Und wenn da gemeldet wird, dass mehrere zehntausend Packungen abgegeben wurden, der Hersteller aber nachweisen kann, dass es überhaupt keine Ware gab, haben die Apotheken, die behaupten, dass sie die Ware abgegeben haben, ein Problem.

In der Praxis kann es aber durchaus aus Versehen passieren, dass ein Rezept falsch bedruckt wird. Das liegt daran, dass der Druckvorgang üblicherweise vor dem Bestellvorgang passiert. Und wenn die Ware dann bestellt wird und der Großhandel meldet, dass er sie nicht da hat, muss man in Zeiten von POS den kompletten Vorgang wieder aufrufen und entsprechend ändern. Natürlich muss auch das Rezept per Tipp-Ex und Neubedruckung korrigiert werden. Und manchmal kommt es leider vor, dass man zwar die Umbuchung vornimmt, aber vergisst das Rezept neu zu bedrucken. Dieser politisch gewollte Wahnsinn ist das eigentliche Problem.

Wenn also der Fehler tatsächlich aus Versehen passiert ist, sollte er entschuldbar sein. Auf der anderen Seite gibt es aber leider “Kollegen”, die Rezepte ganz bewusst falsch bedrucken und dem Patienten dann das Medikament von der Firma geben, die er gerne hätte. Anders wäre der Spruch “Aber in der Großstadt bekomme ich IMMMER das Medikament von der Firma XY”, den wir ab und an von verärgerten Patienten hören, nicht erklärbar. Diese “Kollegen” betrügen und schaden dem Ruf der ehrlichen Apotheker. Und eben diese Kollegen sind wohl erwischt worden, denn wer 75 Packungen, die es gar nicht gibt, abrechnet, ist ein Kollegenschwein!

Die mediale Jagd, die nun auf die “betrügerischen Apotheker” (damit sind dann wieder wirklich alle gemeint) beginnt, ist natürlich völliger Unfug und sicher auch dem Sommerloch geschuldet.

Aber: weder die AOK noch der DAV haben sich bei ihren jeweiligen Statements mit Ruhm bekleckert:

  • die AOK tut so, als ob sie die Geschädigte sei. Das ist Unfug! Geschädigt ist allein die Firma Betapharm, die sowohl den Herstellerrabatt als auch die mit der AOK verhandelten Nachlässe bezahlen muss. Wenn also jemand das Recht hat die Staatsanwaltschaft einzuschalten, dann Betapharm und nicht die AOK. Dass die AOK das Einschalten der Staatsanwaltschaft außerdem mit dem Argument der “Arzneimittelsicherheit” begründet, ist mehr als lächerlich, denn der permanente Austausch von Firma A gegen Firma B bedroht die AM-Sicherheit wesentlich mehr. Dabei stellt sich dann die Frage warum die AOK -und nicht die abgebende Apotheke- den Patienten verständigen soll und auf welcher datenschutzrechtlichen Bestimmung das Ganze geschehen soll.
  • Herr Becker vom DAV tut so, als sei die Falschbedruckung von Rezepten nur eine Lappalie. Die eigentlich Verantwortlichen für ihn sind die AOK, weil sie einen Rabattvertrag abgeschlossen hat, der nicht erfüllbar ist und Betapharm, die nach zwei Monaten immer noch nicht in der Lage sind das Metoprolol zu liefern. Statt zuzugeben, dass es schwarze Schafe unter den Kollegen gibt, wird der schwarze Peter jemand anderem zugeschoben. Das ist sowohl verlogen als auch falsch. Denn die Kollegen, die hier wissentlich betrügen, sollten schnellstens vom Markt verschwinden. Sie schädigen den Ruf derer, die korrekt arbeiten und sich für ihre Patienten (für Gotteslohn) manchmal das ein oder andere Bein ausreißen.

Und falls Sie es noch nicht gemerkt haben: ich habe echte Probleme mich bei diesem Artikel einfach und verständlich auszudrücken, da die Zusammenhänge der ganzen Geschichte sehr komplex und für jemanden, der nicht in der Materie ist, schwer verständlich sind. Wenn also einer der Leser was nicht versteht möge er einen Kommentar schreiben und ich antworte gerne darauf.

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Satire aus Karlsruhe

 

Ohne Worte

Satire aus Karlsruhe

Mit Dank an die Kollegen aus Karlsruhe (Grupper Karlsruher Apotheker e.V.)

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Die neuen Festbeträge sind da!

Liebe Patienten, freuen Sie sich!

Die kranken Kassen haben zusammen mit den Ärzten im gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) neu festgelegt, was Sie auf- (nicht zu-!) zahlen dürfen. Bis morgen, 15. Juli 2011, z.B. bei der 3er-Packung von Atmadisc forte “nur” 93,57 Euro. Die 10 Euro Zuzahlung, die Sie gewohnt sind, dürfen Sie natürlich nicht vergessen! Wenn Sie aber bis übermorgen warten, müssen Sie nur die gewohnten 10 Euro bezahlen. Warum? Fragen Sie mal den Hersteller, der hat da was vergessen…

Oder bei Cipralex 20 mg (100 Stück) “nur” 204,06 Euro. Und selbst beim (lieferbaren) Reimport sind es noch 188,73 Euro. Auch hier gilt: bitte vergessen Sie nicht, dass Ihre Apotheke weiterhin die 10,- Euro Rezeptgebühr für die Krankenkasse kassieren und abführen muss. Den Krankenkassen geht es nämlich schlecht, müssen Sie wissen.

Sie möchten auf ein günstigeres Generikum ausweichen? Jaaaa, das tut mir leid. Da gibt es keines. Denn noch ist Escitalopram nicht generisch verfügbar. Das ist ähnlich wie bei Sortis (Aufzahlung z.B. bei einer Packung mit 20 mg und 100 Stück 135,69 Euro. Plus 5 Euro Zuzahlung). Wie bitte? Einen günstigen Reimport wollen Sie? Ja gerne. Der ist aber leider (wie immer) nicht lieferbar. Tut mir leid.

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Das Zahnstein-Problem

Ich hatte ja von meinem Selbstversuch mit dem Spray gegen Zahnstein berichtet. Inzwischen sind einige Wochen um und ich muss leider -wie vorher schon vermutet- feststellen, dass sich die Zahnsteinbildung nicht wesentlich verzögert hat. Also bleibt nur das Übliche: Zwischenraumbürste, Zahnseide und ein regelmäßiger Besuch des Zahnarztes um die “Zahnverkalkung” loszubekommen.

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Neulich im Notdienst (3)

Mal wieder ein Sonntagsdienst. Insgesamt recht ruhig, trotzdem kam es mir dank dauerndem Telefon und “Haben Sie heute geöffnet?”-Fragerei turbulent vor.

Einer der Anrufe lief etwa so ab:

Anrufer: “Haben Sie Amoxicillin-Saft mit 250 mg/5 ml? Meine Tochter ist krank.”

Kurz nachgeschaut und festgestellt, den hatte ich 2 Stunden vorher schon verkauft und nicht mehr da. Aber ich hatte den höher dosierten Amoxicillin-Saft mit 500 mg/5 ml noch vorrätig und überlegte, ob man nicht den nehmen könnte. Je nach Alter und Gewicht des Kindes wäre das möglich.

Landapotheker: “Nein, leider nicht. Können Sie mir sagen wie alt und wie schwer Ihre Tochter ist?”

Anrufer: “Sie wiegt 12 kg.”

Landapotheker: “Ich habe den höher dosierten Saft vorrätig, der bei diesem Gewicht auch gut dosiert werden kann. Sie müssen dann einfach nur die halbe Menge benutzen.”

Anrufer: “Nein, wenn das nicht der Saft mit 250 mg ist, dann nicht.” Und aufgelegt.

Da frage ich mich immer: was wollen solche Menschen? Ich bemühe mich das Problem, das sie haben, zu lösen und bekomme eine Klatsche. Spaß macht das keinen, glücklicherweise sind viele Kunden aber auch wirklich nett.

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